Seeking Leaders for Global Change

Arbeitssprache Deutsch - ein Kommentar

Written by Lara Schadt

Vergangene Woche hat das Landesarbeitsgericht Nürnberg ein Urteil veröffentlicht, welches bestätigt, dass die Filialleitung eines Unternehmens Personalgespräche nicht in deutscher Sprache führen muss. Der Betriebsrat hatte Klage eingereicht, da Einstellungs- und Personalgespräche auf Englisch geführt worden sind, was als eine “Verletzung der Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung” angesehen wurde.

Als Pessimist*in könnte man sich angesichts des aktuellen politischen Klimas in Deutschland überrascht zeigen, dass ein Gericht diese Entscheidung trifft.

Leider ist die Beschwerde des Betriebsrates keine Überraschung für uns.

Wir partizipieren mit einem gewissen luxuriösen Idealismus an der philanthropischen Arbeit unserer Kunden und teilen vehement die Auffassung, dass wir gemeinsam Veränderungen in der Welt bewirken können. Damit geht eine hohe Erwartungshaltung an den code of conduct unserer Klienten einher.

Oftmals ist die Aussage “Die Person muss unbedingt gut Deutsch sprechen” ein ernüchternder Moment bei unseren Erstgesprächen. Und selbst wenn Vorstände oder Vorgesetzte und das Auswahlkomitee für Bewerber*innen offen sind, die nicht muttersprachlich Deutsch sprechen, haben wir diese Bewerber*innen an Teams und den zukünftigen Kolleg*innen scheitern sehen – an Teams, die sich hauptamtlich für globale Inklusion, Offenheit, Chancengleichheit und gegen Diskriminierung einsetzen.

Klassische Einwände sind hier:

  • die soziale Einbindung in das Team, welches hauptsächlich auf Deutsch kommuniziert
  • die Fähigkeit, die Gesamtverantwortung für die Erstellung von deutschsprachigen Materialien zu übernehmen
  • sprachliche Probleme in der Kommunikation mit Gremien innerhalb des Sektors, mit Verbänden oder den eigenen Mitgliedern 

Warum fällt es (sogar) NGOs so schwer, to practice what we preach?

Wenn wir ehrlich daran interessiert sind, unsere Teams diverser zu machen, Strukturen aufzubrechen und agents of change zu sein, dann müssen wir radikaler sein – auch mit uns selbst. Es gilt, die Wurzeln der eigenen Sorgen genauer zu betrachten und im nächsten Schritt Lösungen zu finden und auch finden zu wollen.

Keiner der oben genannten Punkte stellt ein unüberwindbares Hindernis dar und Ideen und Ansätze sind überall zu finden. Gerne unterstützen wir als Mission Talent hier auch mit Beobachtungen und Erfahrungen aus anderen Organisationen.

Eine kurze Zusammenfassung des Urteils findet sich hier.
 
 

Lara Schadt, Principal Consultant for DACH and MENA